Wien 1918

 

 

Das Elend der Großstadt Wien im vierten und fünften Kriegsjahr, die Menschen gezeichnet von einer Hungerkatastrophe und Nöten in allen Lebensbereichen, schließlich der Untergang der alten Welt und ihrer Werte sowie die Unsicherheit am Beginn einer neuen Zeit.

 

 

 

418 S. / 125 SW- Abbildungen / 32 Farbbildtafeln  

 

 

 

Böhlau Verlag 2017

 

ISBN 978-3-20486-2

 

 

 

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1918 durchlebt Wien das vierte und das beginnende fünfte Jahr des Weltkrieges. Die Kaiserstadt, einst Eldorado der Gaumenfreuden und unbeschwerter Lebenslust, ist zu einer Metropole am Bettelstab herab gesunken. Es herrscht bitterste Not, wohin man schaut. Verwalteter Mangel mit zahllosen Geboten und Verboten macht das Leben zur Qual, Anstellen um Lebensmittel und die Jagd nach dem Notwendigsten zum Überleben sind längst Kräfte verzehrender Alltag. Und mitten drin Heerscharen von Kindern, durch Unterernährung und Krankheit für ihr Leben gezeichnet. Das Zentrum des Habsburgerreiches gleicht einer belagerten Festung, die durch Aushungerung sturmreif gemacht werden soll. Der Feind aber ist hier weder sichtbar noch greifbar.

 

Wann wird dieser Albtraum enden: das ist die jeden bewegende Frage. Massenstreiks und Meuterei bei der Flotte sind Menetekel des drohenden Sturzes der alten Ordnung. An der Spitze des bröckelnden Reiches steht ein junger Kaiser, redlich bemüht, einen Krieg zu beenden, den er nicht verursacht hat. Sein Scheitern in der Sixtusaffäre, die Erschöpfung der Armee machen die Agonie der Kaiserstadt und der Monarchie als Ganzes unausweichlich.

 

Der Todesschatten legt sich auch über die Welt der Kultur, die den Hingang von Gustav Klimt, Egon Schiele, Kolo Moser, Otto Wagner, Alexander Girardi und Peter Rosegger zu beklagen hat. Im November 1918 dann die letzten Atemzüge der Habsburger-Monarchie und der Neubeginn in Form der Republik. Ihr Anfang ist unglückselig, ihre Zukunft ungewiss. Die Erschütterungen eines apokalyptischen Zeitalters entthronen die Kaiserstadt. Wien muss sich auf die Suche nach einem neuen Selbstverständnis machen, ein steiniger Weg steht bevor.  

 

K a p i t e l ü b e r s i  c h t

 

      Unfassbar, aber wahr: der vierte Jahreswechsel im Krieg

 

Heißer denn je ersehnt: der Friede
„Jahr der Erfolge, Jahr der Gärung“: die Bilanz 1917
„Erste Strahlen der Friedenssonne“ : die Waffenruhe im Osten
Noch ist Habsburg nicht verloren: Wilsons 14 Punkte
Menetekel an der Wand: Streik und Meuterei
„Nun muß sich alles, alles wenden!“: der trügerische Frieden im Osten
Endlich Heimkehr und Wiedersehen: die Kriegsgefangenen


Ein verwitterndes Relikt aus dynastischer Zeit: die Habsburger-Monarchie

Junger Herrscher ohne Mythos: Kaiser Karl
Ein verheerender Schlag: die Sixtusaffäre
Letzte Strahlen alten Glanzes: der Kaiserhof


Ein Kampf ums nackte Überleben: der Kriegsalltag
Die bitterste aller Erfahrungen: die Hungerkatastrophe
Eine Schlacht um den besten Platz: das Anstellen
Der Bauer als Millionär: der Rucksackverkehr
Ein behördlicher Fehlgriff: die Preisregulierung
Des Erfinders Stolz, des Konsumenten Graus: die Ersatzstoffe
Ein unerträglicher Übelstand: die Wohnungsnot
Ein einziger Hindernislauf: der Hausputz
Wann kommt er endlich?: der Mistbauer
Zu wenig Kohle, zu wenig Petroleum: das dunkle Wien
Not kennt kein Gebot: die Kriminalität


Für ihr Leben gezeichnet: die Kriegskinder
Vom Krieg vernichtet: die unbeschwerte Kindheit
Ein grenzenloses Elend: die Unterernährung
Die katastrophalen Folgen: Tuberkulose und Rachitis
Eine Erleichterung zur Sommerzeit: Kinder aufs Land
Eine unheimliche Massenerscheinung: die Jugendkriminalität
Im Dienst der „Heimatfront“: die Schule
Es gibt sie noch: die selige Kindheit

 

In ihrer Fragwürdigkeit offenbart: die überkommenen Werte

„Soldaten des Hinterlandes“: die Frauen
Eine verkehrte Welt: das Dienstpersonal
Die letzten ihrer Art: die Prachtbauten
Einst Stolz, nun Last: die großbürgerliche Wohnung
Eine kriegsbedingte Täuschung: die Geschäftsauslagen
Amtlich ihrer Pietät beraubt: die „schöne Leich“

 

Fortgerissen und begraben: die Phäakenstadt

Keine Bälle, keine Krapfen: der Fasching
Hunger ist der beste Koch?: die Fastenzeit
Ramponiert und traurig: die vierten Kriegsostern
Das verlernte Schlendern: Frühling auf der Ringstraße
Auf ins letzte Gefecht: die bedrohte Eleganz
Ohne Indianerkrapfen, ohne Luftballons: die Firmung
Ein Schatten seiner selbst: der Tiergarten Schönbrunn
Im Rausch der Wettleidenschaft: die Pferderennen
Wo sind sie geblieben?: die Wiener Gaumenfreuden
Abschied von der Melange: das Kaffeehaus
Zu Einheitsmenüs verpflichtet: das Gasthaus
Eine erstaunliche Vergnügungspsychose: Theater und Kino
Gäste diesmal unerwünscht: die Sommerfrische
Ohne lohnende Rastziele: Wienerwald und Semmering
Wider nächtliche Bacchantenzüge: der Heurige


„Verhängnisvolle Todeskeime“: Sterben einer Kulturepoche

„Tizian des Wiens der Neunzigerjahre“: Gustav Klimt
„Vom Frost des Todes jäh vernichtet“: Egon Schiele
„Ein unermüdlicher Rufer im Streite“: Otto Wagner
„Der unbefangen Kühnste, der kühnste Unbefangene“: Kolo Moser
„Sicher geleitet von einer ungeheuren Kraft“: Ferdinand Hodler
„Seine Wärme durchglühte das kalte Haus“: Alexander Girardi
„Weltdichter des österreichischen Alpenlandes“: Peter Rosegger


Die Kaiserstadt am Bettelstab: der fünfte Herbst im Krieg

Die großen Ängste: Kälte und Hunger
Eine ernüchternde Erfahrung: Sommerfrischlers Heimkehr
Weniger Einschreibungen, keine Lehrbücher: der Schulbeginn
Eine neue Hiobsbotschaft: die gefährdeten Türklinken
Torpediert, aber erfolgreich bewahrt: der Mieterschutz
Zwischen Premieren und Streikdrohung: die Wiener Theater
In der Dauerkrise gefangen: die Wiener Straßenbahn
Papiermangel und Zensurende: die Zeitungen
Durch „Strumpf-Sparer“ verursacht: das Wiener Notgeld
Ein alles lähmender Todesschatten: die Spanische Grippe
„Der Totentanz nimmt kein Ende“: Allerheiligen und Allerseelen


„In allen Fugen kracht es“: das Sterben Alt-Österreichs

„Schlimmer als Mord“: die gescheiterte Piave-Offensive
„Härteste Probe im Duchhalten“: noch weniger Brot
„Ehrenpflicht“ für alle Patrioten: Mörsertage und 8. Kriegsanleihe
„Wiener, lernt die Italiener kennen!“: d’ Annunzios Propagandaflug
„Ach, es geht nicht mehr!“: der Zerfall der Mittelmächte-Allianz
Ein Katalysator der Auflösung: das Völkermanifest
Als ob nichts wäre: das kaiserliche Hofprotokoll
„Das endgültige, furchtbare, schreckliche Ende“: der Tod der Monarchie
Demontiert, herab gerissen, entwertet: die alten Symbole
Dramatisches Ringen um jedes Wort: des Kaisers Verzicht
Melancholie im November: eine Schönbrunner Elegie

 

„Zu lebendiger Wirklichkeit geworden“: der Staat Deutschösterreich

Neuschöpfung in der Herrengasse: das provisorische Grundgesetz
„Letzte Ausläufer der Fronten“: die Wiener Bahnhöfe
Nutznießer der Umwälzung : die Amnestierten
Im Dienste der Weltrevolution: die Rote Garde
Überschattet von Trauer und Chaos: der Geburtstag der Republik

 

 

 

Buchpräsentation im Großen Wappensaal des Wiener Rathauses am 31. Oktober 2017.

 

Unter Beteiligung der Ö1-RedakteurInnen Sibylle Norden (rechts vom Autor) und Bernhard Fellinger (links vom Autor)