Motivation und Werdegang meiner Bücher

 

Liebhaber von Sachbüchern fragen zuweilen, was den Autor veranlasst hat, sich gerade dieses oder jenes Themas anzunehmen. Diese Frage beantworte ich gerne. Bei meinem ersten Buch Verlorenes Wien. Adelspaläste vergangener Tage war es die Beschäftigung mit Carl Korz´ Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier findet sich ein eigenes Kapitel über Wiener Paläste. Dabei wurde mir bewusst, wie viele dieser Prachtbauten gar nicht mehr existieren. Wenn sie schon vom Erdboden verschwunden sind, so dachte ich, dann sollte ihre einstige Schönheit vom gänzlichen Vergessen bewahrt bleiben. Das in einem Buch darzustellen, war für mich die logische Schlussfolgerung. Im Böhlau Verlag griff man die Idee gerne auf. So entstand ein reich bebildertes Buch, das 1984 erschien. Es wurde sogleich ein Erfolg. 1993 folgte eine Neuauflage. Eine weitere Neuauflage war dem Böhlau Verlag wegen der enorm verteuerten Bildrechte nicht mehr möglich. Die Rechte des Buches liegen nun bei mir.

 

Hat man sich auf ein Thema spezialisiert, so wird daraus quasi ein Selbstläufer. Ich fand es spannend, sich auch der verschwundenen Paläste in Deutschland zuzuwenden. Und derer gibt es infolge des verheerenden Bombenkrieges ja genug, angefangen vom Berliner Königschloss über das Wittelbach Palais in München bis zu Schloss Herrenhausen in Hannover. Das Buch  Versunkenes Deutschland. Auf den Spuren kriegszerstörter Residenzen und Palais erschien im Herbst des Wendejahres 1989. So erfreulich der Fall der Berliner Mauer auch war, für mein Werk ergab sich daraus, dass manche Schlüsse der einzelnen Kapitel über Nacht obsolet geworden waren, gab es doch binnen kurzem keine DDR mehr. Nichtsdestotrotz ist die Schilderung des Werdeganges der einzelnen Schlösser deswegen nicht  überholt und höchst spannend geblieben. Einige von ihnen sind mittlerweile im historischen äußeren Erscheinungsbild wiederaufgebaut: das Berliner Königgschloss, das Potsdamer Stadtschloss, Schloss Herrenhausen in Hannover und das Stadtschloss in Braunschweig als Kaufhaus. Die Baugeschichte des berüchtigten "Braunen Hauses" als Zentrale der NSDAP in München ist erstmalig komplett dargestellt.

 

1996 folgte das Buch Wien im Wandel. Von den Babenbergern bis heute. Dabei ergab sich, dass sich in sieben längst verschwundenen Häusern die gesamte Stadtgeschichte Wiens widerspiegelt, was von mir gar nicht beabsichtigt war.Eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschichte Österreichs. Es ist ein nüchternes und kein geschöntes Bild, das man hier von Österreich und Wien im speziellen erhält. Großes und Banales, Edelmut und Gemeinheit, Komisches und Tragisches, Vergängliches und Ewiges:  alles, was Menschsein ausmacht, ist hier anhand verschiedener Schicksale zu finden.

 

2004 trat der Gerstenberg Verlag an mich heran, ob ich eine Fülle von Fotos von zugrunde gegangenen Prachtbauten textlich gestalten könnte. Dabei handelt es sich nicht nur um Schlösser, sondern auch um Bürgerhäuser, Villen, Opern- und Theaterbauten, Konzerthallen, Bahnhöfe, Kaufhäuser, Markthallen etc.. Geworden ist daraus das 2005 erschienene Buch Verlorene Pracht. Geschichten von zerstörten Bauten. Faszinierend daran ist, dass auch das beeindruckene Innere der Bauten zu sehen ist, was keine Selbstverständlichkeit ist. Auch hier ließ ich es nicht mit einer Schilderung archtitektonischer Pracht bewenden, sondern griff auch die mit diesen Bauten verbundenen menschlichen Schicksale auf. 

 

Das 100-Jahr  Gedenken an den Kriegsausbruch von 1914 war Anreiz für mich, einen Beitrag in besonderer Form zu leisten. Wie sahen die ersten sieben Monate des Schicksaljahres 1914 aus, als noch niemand wissen konnte, auf welche Katastrophe die Welt zusteuerte? Wien 1914. Alltag am Rande des Abgrunds schildert das Leben in der Zwei-Millionen- Metropole Wien. Vieles war im Rückblick letzmalig, denn am Ende stand der Selbstmord der alten Welt.  Zu diesem düsteren Kapitel, das keinerelei Heiterkeit aufkommen läss, schrieb ich Wien 1918. Agonie der Kaiserstadt. 

 

Dem folgte zuletzt  Wien 2000 Jahre Geschichte. 2019 suchte der Berliner Elsengold Verlag einen Wiener Autor, der in Anlehnung an das Buch von Henry Werner Berlin 1000 Jahre Geschichte, die Geschichte Wiens kompakt für einen Bildband schreiben könnte. Nur hat Wien eben eine 2000 Jahre alte Geschichte. Die Wahl fiel durch Empfehlung auf mich. Im Oktober 2020 erschienen, sind die Rahmenbedingungen für den Buchverkauf durch die Corona-Pandemie denkbar ungünstig: keine Buchmessen, keine Präsentationen, keine Lesungen. Es ist zu hoffen, dass das Buch trotzdem über Internetbestellungen und im lokalen Fachbuchhandel seine Leser und Leserinnen findet.